POULOCONDOR oder DER SINN DES LEBENS. Von Nguyen Duc Thuan

Wie kann ein Mensch die Folter ertragen? Was macht ihn unbeugsam? - Diese Fragen mußten sich auch die Gefangenen aus den westdeutschen Guerillagruppen nach 1970 stellen. Erstmalig konfrontiert mit dem Versuch systematischer Zerstörung von Identität und Würde, waren es die Erfahrungen von Genossinnnen und Genossen von überall auf der Welt, mit denen sich die Gefangenen aus der RAF auseinandersetzten. Die Briefe von George Jackson (USA) oder das Tagebuch von Aschraf Deghani aus dem Iran stehen dafür.
Der Bericht über Poulo Condor bekam besondere Bedeutung. Der Begriff „Tigerkäfige“, wie die us-amerikanischen und südvietnamesischen Folterer die Gefängniszellen nannten, war in Westeuropa schon bekannt. Aber erstmalig lag ein authentisches Zeugnis vor; ein Bericht, der nicht nur die Grausamkeiten auflistete, sondern vom Widerstand sprach, von der Solidarität und Gemeinsamkeit der Gefangenen.
Nachdem 1973 im DDR-Sender „Mitteldeutscher Rundfunk“ ausgestrahlt, wurde der Text im Info, dem (internen) Kommunikationssystem der Gefangenen aus der RAF, verbreitet. Von dort gelang er wieder nach draußen (Westdeutschland) und wurde als Heftchen mehrfach aufgelegt und verbreitet.

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