Stefan Wisniewski - Wir waren so unheimlich konsequent ...

Stefan Wisniewski
Wir waren so unheimlich konsequent ...
Ein Gespräch zur Geschichte der RAF
Zwanzig Jahre nach dem Herbst 1977 hat ein bisher nie dagewesenes Medienspektakel stattgefunden. Auf allen Fernsehkanälen, mit Radiofeatures, in Sonderbeilagen und Serien sämtlicher großer Zeitungen wurden die Ereignisse um die Entführung Schleyers, die Toten in Stammheim und die GSG 9- Aktion in Mogadischu abgehandelt. Hunderte von JournalistInnen und KommentatorInnen bedienten in den letzten Monaten das öffentliche Interesse, ohne daß allerdings wesentlich Neues bekannt geworden wäre.
In dem folgenden Interview nimmt einer der unmittelbar an der Schleyer-Entführung Beteiligten Stellung zu den Ereignissen 1977.
Stefan Wisniewski gehörte dem »Kommando Siegfried Hausner« der RAF an. Im Mai 1978 wurde er in Paris festgenommen, an die deutschen Behör- den ausgeliefert und 1981 in der BRD wegen Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers zu lebenslanger Haft verurteilt. Den Behörden gegenüber hat er nie ausgesagt. Im Herbst 1997 konnte Stefan Wisniewski mit den taz-JournalistInnen Petra Groll und Jürgen Gottschlich erstmals ein unzensiertes Interview führen. Wir haben uns entschlos- sen, dieses Gespräch nochmals in Buchform zu publizieren, da auch hintergründige Zeitungsartikel oft der Schnellebigkeit des Marktes unterworfen sind. Vor allem aber auch, weil der Text als Diskussionsbeitrag gedacht war und in der vorliegenden Form dafür weiter Bestand hat.
Das ausführliche Gespräch gehört zu den wichtigsten Dokumenten über die Ereignisse von 1977. Bisher gab es vor allem eine Diskussion in den bürgerlichen Medien, die sich durch die Abwesenheit der Positionen der unbequemeren ProtagonistInnen »auszeichnet«. So wurde für den vielbeachteten und preisgekrönten Breloer-Film Todesspiel nicht einer der noch inhaftierten Gefangenen auch nur ange- fragt. Ehemalige 68er Linke arbeiten sich ebenfalls an der RAF ab und ignorieren schlichtweg, daß in der ersten Hälfte der siebziger Jahre nicht wenige Linke über den bewaffneten Kampf diskutierten und dieser als eine ernstzunehmende politische Strategie verstanden wurde.
Ganz im Gegensatz zu den Rundumschlägen und pauschalen Abrechnungen selbsternannter Terrorismusexperten beschreibt Stefan Wisniewski eindringlich, nüchtern und selbstkritisch seine politische Biographie und vermittelt einen Einblick in die damalige RAF. Sein Beitrag steht gleichzeitig für eine linke Reflexion, die sich nicht an mediengerechter und staatlich gewünschter Geschichtsaufarbeitung orientiert.

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